Im Herzen Madrids, an der Plaza de Cibeles, steht der historische Hauptsitz der Banco de España – ein Gebäude, in dem Architektur, Kunst und technische Innovation seit mehr als einem Jahrhundert zusammenwirken. Das 1891 eröffnete und von Eduardo de Adaro und Severiano Sainz de la Lastra entworfene Gebäude gilt als bedeutendes Beispiel des spanischen Eklektizismus und ist seit 1999 als Bien de Interés Cultural in der Kategorie Historisches Monument geschützt.
Im Inneren, unter dem ehemaligen Patio de Efectivo – heute Bibliothek – liegt der Salón de Cobradores. Der ursprüngliche Entwurf verband hier zwei Architektursprache des späten 19. Jahrhunderts: neo-maurische Dekoration mit Hufeisenbögen und geometrischen Fliesen andalusischer Tradition sowie eine Eisenkonstruktion als Ausdruck der damaligen Industriekultur.
Die 2025 von Paredes Pedrosa Arquitectos abgeschlossene Sanierung setzt bei der Wiederentdeckung dieser Identität an und gibt einem der außergewöhnlichsten Räume des historischen Gebäudes neues Leben.
Im ursprünglichen Entwurf waren Licht und Architektur eng miteinander verbunden. Eine transluzente, von der Metallstruktur getragene Decke ließ natürliches Licht aus dem darüberliegenden Raum in den Salón de Cobradores gelangen. Das Licht von oben verband beide Ebenen nicht nur funktional, sondern auch räumlich und symbolisch.
Im Zuge späterer Umbauten wurde die frühere Glasdecke entfernt. Damit verlor der Raum eines seiner prägendsten Merkmale: ein großflächiges, diffuses und nahezu natürlich wirkendes Zenitlicht.
Die heutige Sanierung stand daher vor einer klaren Aufgabe: dieses Gefühl zurückzubringen, ohne das verschwundene Bauteil wörtlich zu rekonstruieren. Die Antwort war eine Neuinterpretation des Oberlichts mit künstlichem Licht.
Genau hier setzt der Beitrag von 3F Filippi an. Für den Salón de Cobradores reichte eine Standardleuchte nicht aus: Gefordert war eine Lösung, die Teil der Architektur werden und den Eindruck der großen leuchtenden Fläche wiederherstellen konnte, die die historische Decke geprägt hatte.
3F Filippi entwickelte deshalb eigens für das Projekt ein Custom-Produkt. Es erzeugt ein großflächiges, gleichmäßiges und diffuses Licht und vermittelt das Gefühl, unter einem großen Oberlicht zu stehen. Wahrgenommen werden soll nicht eine Folge einzelner Leuchten, sondern eine durchgehende Lichtfläche, die den Raum von oben erhellt und ihm Tiefe zurückgibt.
Die zeitgenössische Lösung rekonstruiert das Oberlicht nicht als Objekt, sondern gewinnt seine immateriellste Wirkung zurück. Licht wird zu architektonischer Materie und füllt sinnbildlich den Raum, den die frühere transluzente Decke hinterlassen hat. Nicht das Oberlicht rekonstruieren. Das Gefühl seines Lichts rekonstruieren.
Die Lichtinterpretation erfüllt noch eine weitere Aufgabe: Sie legt die historische genietete Eisenstruktur frei und setzt sie in Szene. So erinnert der neue Eingriff an das ursprüngliche Zenitlicht und macht zugleich konstruktive Elemente sichtbar, die heute Teil des Raumerlebnisses werden.
Dabei ist ein sensibles Gleichgewicht erforderlich. Das Licht soll nicht mit Hufeisenbögen, geometrischen Fliesen und historischen Profilierungen konkurrieren, sondern deren Wahrnehmung unterstützen. Auch die neuen technischen Elemente folgen diesem Prinzip: Vier polierte Edelstahlsäulen erzeugen Reflexionen, die die Dekorationen optisch fortführen und den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart verstärken.
Licht wird damit zum vermittelnden Element: Es macht das historische Erbe lesbar, ohne es zur Kulisse zu machen, und lässt den zeitgenössischen Eingriff respektvoll sichtbar werden.
Die Wiederherstellung des Salón de Cobradores ist mehr als eine konservatorische Maßnahme. Der ursprünglich für Zahlungs- und Inkassovorgänge genutzte Raum wurde zu einem multifunktionalen Veranstaltungsort für Konferenzen, internationale Seminare, Besprechungen, Medienveranstaltungen und Ausstellungen umgestaltet.
Das Licht muss daher zwei Dimensionen gleichzeitig beantworten. Auf der einen Seite steht die Erinnerung – eine Architektur des 19. Jahrhunderts, die verstanden, respektiert und hervorgehoben werden soll. Auf der anderen Seite steht die Gegenwart – ein wiederbelebter Raum mit zeitgemäßen Funktionen.
Das von 3F Filippi entwickelte Custom-Produkt befindet sich genau zwischen diesen beiden Ebenen. Es reproduziert kein verschwundenes Objekt, sondern stellt dessen Wahrnehmung durch Licht wieder her. Das Projekt zeigt, dass Custom Design weit über technische Anpassung hinausgehen kann: Es bedeutet, Architektur zu verstehen, ihre Geschichte zu interpretieren und eine Lösung zu entwickeln, die zuvor nicht existierte.
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